Werner Grund sagte: „Meine Bilder sollen für sich selber sprechen“. Lesen Sie an dieser Stelle, was Kunsthistoriker und Journalisten über seine Bilder sagen:

Barbara Riederer-Grohs: „Grunds Landschaften breiten sich aus. Sie öffnen sich nach allen Seiten, dehnen sich über die Bildränder aus, kommen im Vordergrund groß auf uns zu und entziehen sich leise in der Ferne. Blumenwiesen und winterliche Felder legen sich auf diese Weise ins Bild und nehmen ihre Bewegung aus der Perspektive und aus der Farbe. Die Perspektiven markiert die Richtung. Ausdruck, Gestalt und Ordnung der Farbe sind die treibenden Kräfte. Sie zeigen an, wie die Bewegung verläuft, ob sie gradlinig zum Horizont strebt oder ihn in sanften Wellen oder in Vibrationen erreicht. Die verschiedenen rhythmischen Strukturen, die sich aus einem fleckenhaften Farbauftrag ergeben, dienen einem Ziel: Sie überführen Nähe in Ferne. Dies bezeugt nicht nur eine spezielle Raumerfahrung, sondern auch das Wesentliche der Landschaft. Nah und fern sind zur Einheit gebracht. Grund läßt uns die Einheit spüren, doch zugleich hebt er die Unersättlichkeit des Auges hervor.“

Kuno Ulshöfer: „Wie sich jeder Könner in der Beschränkung zeigt, indem er auf seine eigenen Wurzeln zurückgeht, so pflegt auch Werner Grund diese Tugend der Selbstdisziplin. Als Mensch, der aus einer fast unzerstörten Landschaft stammt, hat er dieses herbschöne Hohenloher Land und die Natur zu seinem Maßstab und Thema gemacht… So stehen neben farbenfrohen, fröhlichen Bildern mit heiteren Blumengebinden und sommerduftigen Wiesen durchaus düstere und depressive Herbst- und Winterbilder, mit eisstarrenden Dörfern und Landschaften und abweisenden verschneiten Ackerfurchen… Man wende sich einem beliebigen Ausschnitt aus einem solchen „Wiesenbild“ intensiver zu, und man wird erkennen, daß jeder Ausschnitt aus Abstraktionen besteht. Erst die Zusammenschau vermittelt den realistischen Gesamteindruck. Auf diesem Wege gelangt der Maler zu den vermeintlich gegenstandslosen Bildern, die zu betrachten und zu erkennen natürlich eine viel größere Anstrengung des Kunstfreundes verlangt.“

Ursula Schaeff: „Es waren Bilder von ihm, die mich Hohenlohe verstehen ließen.“

Fred Jahnel: „Die Landschaftsmalerei Grunds befruchtet seine Abstraktionen. Seine Abstraktionen befruchten die Landschaften und Blumenbilder. Ich sehe da keinen Zwiespalt. Die Farbe wird offen und ehrlich gehandhabt. Wer sich, wie er, poetischer Begeisterung hingibt, braucht um die schöpferische Einheit nicht zu bangen. Die Farbe erfaßt alles, wird Gestalt, bleibt dynamisch und die Gewalt des Farbgefüges symbolisiert Kräfte, die hinter den Dingen liegen könnten.“

Barbara Riederer-Grohs: „In seinen Acrylbildern und Aquarellen zeigte er winterliche Äcker und sommerliche Wiesen, die sich am Horizont ausrichten, also auf die Ferne bezogen sind. Dennoch ist Nahsicht da, vor allem bei den Bildern der Blumenwiesen, die sich vom unteren Bildrand her in großen Formen aufbauen und flirrend nach oben steigen. Obgleich sich die Wiesen wie Teppiche ins Format spannen, sind sie räumlich angelegt. (Obgleich die Farbe informell aufgetragen ist, enthält sie das Bild von Blumen und Gras.) Auch seine Feldblumensträuße entwickelte Grund aus einem Farbgespinst, bis Mohn, Hahnenfuß und Kerbel in Erscheinung traten. Abstraktion und Gegenständlichkeit sind in solchen Bildern vereint.“

Manfred Wankmüller: „Wer zu Werner Grund geht – in sein Atelier, das in einem blühenden, ganz kreatürlichen Garten steht, oder in eine seiner Ausstellungen – darf damit rechnen, daß er aus dieser Begegnung ein wenig glücklicher entschreiten wird, als er es zuvor gewesen ist. Es ist die unverwechselbare Atmosphäre seiner Bilder, die diese Wirkung ergibt, nicht etwa, weil Werner Grund uns eine scheinbar heile Welt vorspiegeln will, sondern weil er uns zeigt, daß es in dieser so heillosen Zeit noch Refugien gibt, die uns gehören, denjenigen, die bereit sind zu suchen, zu schauen und im Schauen zu erleben. Werner Grund malt jedoch keine „Sonntagsbilder“, er wendet sich immer den Dingen zu, welche die Natur produziert, wenn bei ihr Werktag ist: Obstbäume, über die gerade der Hauch des Frühlings gegangen ist, eine Blumenwiese, die der Sommerwind bestreicht, einen Herbstwald aus Buchen und Eichen, an dem sich die Natur selbst als Maler versucht hat, winterkahle Äcker, durch deren schmutziges Grauweiß sich die Spur des Maschinenpflugs zieht. Aber ebensogern malt er Blumen, Feldblumen, die noch – und in diesem „noch“ steckt ein Stück Resignation – auf den zu immer mehr Ertrag gezwungenen Wiesen wachsen, und er malt die schlichtesten, aber zugleich farbigsten Erzeugnisse der Natur: Flechten, Moose, Rinden, ganz einfach – Strukturen.“

Manfred Wankmüller: „Werner Grund will keine Effekte erzielen, er will die Betrachter auch nicht schockieren oder in eine vorherfixierte Richtung drängen, sondern er will ihnen mitteilen, was er sieht und wie er es sieht. …Er hat auf der Suche nach Motiven viele Wege beschritten. Sie führten ihn durch die gegenständliche Welt, durch die Welt der Mikrokosmen und durch die Endlosigkeit des Makrokosmos, sie führten ihn zu den Blumen und zu vielem anderem, was hilflos ist auf dieser Erde, aber er hat immer gemalt, in Hingabe an die Farbe und an deren elementare Gesetze. So ist er ein Künstler, der auffällt, ohne spektakulär zu sein, wie auch eine Zypresse sich nicht in den Himmel hebt, um gesehen zu werden, sondern weil sie es an dieser und keiner anderen Stelle muß und darum auch nie falsch stehen kann, wie manchmal der Mensch und wie manche Kunst.“

Erwin Zoll: „Abstrakte und konkrete Malerei stehen bei Werner Grund nicht für verschiedene Schaffensphasen, sondern für parallel verlaufende Entwicklungslinien. Werner Grund hat stets,
so lange es ihm sein nachlassendes Augenlicht erlaubte, beide Weisen des Malens verfolgt. Daneben gibt es zahlreiche Wandbilder, Mosaiken und Glasbilder, die in öffentlichen Gebäuden zu sehen sind.“

Barbara Riederer-Grohs: „Grund malt Blumen um ihrer Schönheit willen. Doch er meint nicht die Schönheit dekorativer Bouquets, sondern die naturgegebene Schönheit, die er in ihrem Wesen zu erfassen trachtet… Schönheit ist fragil und trägt den Zerfall in sich. Nur derjenige weiß von ihr, dem das Vergängliche nah ist, der einen Anflug von Trauer verspürt, wenn sie ihm begegnet. In Grunds Bildern ist dies Wissen enthalten.“